Wie
aus dem Frohsinn die Diana wurde
Im Jahre 1878 - wie es begann
Als sich am 8. April 1951 schießsportfreudige junge Leute
im Gasthaus Ilg trafen, um in Zusamaltheim einen Schützenverein zu
gründen, war dies der Neubeginn der schießsportlichen Tätigkeit nach der
Aufhebung des Verbots, gleichzeitig bedeutete es aber auch die
Fortsetzung einer damals schon 70 Jahren alten Tradition. Denn schon im
Jahre 1878 in der Regierungszeit des Deutschen Kaisers Wilhelm I. sowie
des 1. Reichskanzlers Bismarck wurde in Zusamaltheim ein Schützenverein
gegründet. Die schriftlichen Unterlagen über die Gründung des
Schützenvereins «Frohsinn», hieß der damalige Zusamaltheimer Verein,
gingen in den Wirren zweier Kriege leider verloren. So ist heute nicht
mehr bekannt, wer den damaligen Verein gegründet hat und wann genau das
Gründungsdatum war. Das Gründungsjahr 1878 lässt sich jedoch einwandfrei
aus Aufzeichnungen feststellen, die aus dem Jahr 1928 stammen und von
einem großen Jubiläumsschießen anlässlich des damaligen 50jährigen
Vereinsjubiläums berichten.
1912 - im damaligen Gasthaus Magg ist der
Schießstand
Die ältesten erhaltenen Aufzeichnungen des
Schützenvereins «Frohsinn» berichten von reger schießsportlicher
Betätigung in den Wintermonaten des Jahres 1912. Geschossen wurde damals
mit einem Zimmerstutzen auf 12er Scheiben. Das Vereinslokal war das
Gasthaus Magg. Der Verein stand zu dieser Zeit unter Leitung von
Molkereibesitzer Franz Albrecht. Mit in der Vorstandschaft waren Martin
Reiter und Josef Egger aus Sontheim sowie Georg Stuhlmiller. Wie fast
überall, so kam auch in Zusamaltheim während des 1. Weltkrieges das
Vereinsleben zum Erliegen. Eine Eintragung ins Vereinsbuch berichtet vom
letzten Schießabend am 17. Oktober 1914. Doch bereits am 25. September
1919, 11 Monate nach Beendigung des Krieges rief Franz Albrecht seine
Schützen wieder zum ersten Schießabend zusammen. In einer Neuwahl wurde
er einstimmig wieder zum Schützenmeister gewählt. Zu seiner neuen
Vorstandschaft gehörten damals wieder Martin Reiter aus Sontheim sowie
Max Reiter und Georg Mengele. Anläßlich des Neujahrschießens 1921 war
zum ersten Mal der spätere Gründer des Sportschützengaues Wertingen,
Josef Wörle in Zusamaltheim zu Gast. Wie streng die Gebräuche damals
waren, zeigt ein Beschluss von damals, dass jeder Schütze für einen
versäumten Schießabend 15 Pfennige Strafe zu bezahlen hatte und bei
5maliger Abwesenheit als ausgeschlossen galt.
1925 - der erste
Schützenkönig heißt Johann Kaim
Am 20. September 1925 führte der Schützenverein
«Frohsinn» anlässlich des 25jährigen Jubiläums ein Strohschießen durch.
Im gleichen Jahr wurde erstmals ein Schützenkönig gekürt, es war dies
Johann Kaim. Wie schwer die Zeiten damals waren ist daraus zu ersehen,
dass anstelle der üblichen Erinnerungsscheibe z. B. 2 Pfund
Ochsenfleisch, eine Schweinshaxe oder ein Päckchen Tabak ausgeschossen
wurde. Vom 29. Juni bis 1. Juli 1928 feierte der Schützenverein mit
einem Jubiläumsschießen sein 50jähriges Bestehen. Preise waren damals
angefangen von einer Standuhr über eine Fahrradlaterne bis zu einem
Hosenträger 60 Preise zu gewinnen. Ehrengast bei diesem Jubiläum war
Kommerzialrat Doderer aus Augsburg. Anlässlich der Neuwahl am 29.
November 1928 legte Franz Albrecht nach 28 Jahren sein Amt als 1.
Schützenmeister nieder. Franz Albrecht war in dieser langen Zeit die
Seele des Vereins und sein Name ist damit untrennbar mit dem
Schützenverein «Frohsinn» verbunden. Die Führung des Vereins ging damals
in die Hand von Bernhard Bachmayr über. Weitere Mitglieder der
Vorstandschaft waren Michael Reiter, Karl Reiter und Josef Lernhard. Ab
dem Jahr 1930 erlebte der Schützenverein einen langsamen Niedergang.
Waren vorher bis zu 30 Schützen bei den Schießabenden, die jeweils am
Donnerstag stattfanden, so verzeichnet es die Chronik, waren es
abgesehen von besonderen Anlässen selten mehr als 10 Schützen. Bedingt
war dieser Niedergang dadurch, dass viele langjährige Mitglieder ihre
Arbeit außerhalb des Dorfes suchen mussten, und dadurch, dass er damals
sehr aktive Burschenverein, der in der Brauerei Ilg beheimatet war,
ebenfalls im Schießsport aktiv wurde. Von den schießsportlichen
Tätigkeiten des Burschenverein sind allerdings keine Aufzeichnungen
vorhanden.
1939 - der Schießbetrieb wird
eingestellt
Die Führung des Schützenverein ging damals in die Hand
des 1. Schützenmeisters, Schmiedmeister Michael Reiter (Oberer Schmied)
ber. Ab 1933 geriet auch der Schützenverein immer mehr unter die
Aufsicht der damaligen Staatsmacht. So mussten damals die
Schießergebnisse der einzelnen Schützen an die Behörde weitergeleitet
werden, und die Chronik berichtet von Preisschießen zugunsten
verschiedener Hilfswerke. Die Anzahl der Schützen ging in diesen Jahren
abermals zurück. Nach Beendigung der Wintersaison 1938/39 stellte der
Verein mit einem letzten Schießabend am 1. April 1939 den Schießbetrieb
ein. Aus der sportlichen Betätigung wurde mit dem Beginn des Krieges im
Herbst 1939 bitterer Ernst und einige Namen von ehemaligen Mitgliedern
sind heute nur noch auf den Gedenktafeln für Gefallene zu finden. Die
beiden Zimmerstutzen wurden vom Michael Reiter aufbewahrt und mussten
1945 an die Besatzungsmacht abgeliefert werden. So beendete der Wahnsinn
des Krieges in Zusamaltheim die 60jährige Tradition des Schießsportes.
1951 - Neubeginn im Gasthaus
Ilg
Am 8. April 1951, fast auf den Tag genau 12 Jahre nach
dem letzten Schießabend des Schützenverein «Frohsinn» traf sich die
schießsportfreudige Jugend von Zusamaltheim im Gasthaus Ilg zur Gründung
eines neuen Schützenvereines. Der Posthalter Hans Miller, ein ehemaliges
Mitglied des alten Vereins, hatte durch Plakatanschlag zu dieser
Versammlung aufgerufen, und damit versucht, die Jugend für den schönen
Sport des Schießens zu edlem Wettstreit und ohne militärischen Zwang zu
gewinnen. Auf Anhieb waren 34 Anwesende bereit, durch Eintragung in eine
umlaufende Liste, dem Verein beizutreten. Eine anschließend abgehaltene
Versammlung wählte den Initator Hans Miller zum 1. Vorstand. Des
weiteren wurden Josef Stalla, Johann Albrecht und Albert Stuhlmiller in
die Vorstandschaft gewählt. Der neue Verein wurde nach Abstimmung nach
der römischen Jagdgöttin «Diana» benannt. Warum der alte Name «Frohsinn»
nicht weitergeführt wurde, ist heute unbekannt. Zur Vereinsgründung
wurde von Gründungsmitglied Ernst Tauschek, dem heutigen Gausportwart
eine Gründungsscheibe angefertigt.
Als Vereinslokal wurde das Gasthaus Ilg bestimmt, wo sich
die Schießgelegenheit durch ein Fenster in der Wirtsstube über den
Küchenherd an die gegenüberliegende Wand bot. An diesem Tag, so
berichtet der Chronist, drängten sich alle Schützen in der Wirtsstube.
Neue Mitglieder wurden aufgenommen, so dass deren Zahl auf 37 stieg. Das
1. Vereinsjahr endete nach nur 5 Schießabenden wegen der vorgerückten
Jahreszeit am 20. Mai 1951 mit einem Königs- und Strohschießen. Erster
Schützenkönig des jungen Vereins wurde Albert Treu. Zur Eröffnung der
Schießsaison 1951/52 wurde für den Verein eine Haftpflichtversicherung
abgeschlossen und außerdem wurde die Schießbahn durch Holzwände
abgesichert. Eine Schützenkette, die vom Goldschmiedemeister Hirn in
Wertingen erworben war, wurde dem Verein zum Sylvesterschießen 1951
übergeben. Aus der Chronik ging hervor, dass bei den Schießabenden es
nicht so sehr nach Leistung ging. Als im Dezember 1952 der
Sportschützengau Wertingen von Josef Wörle ins Leben gerufen wurde, war
«Diana» Zusamaltheim eines der 31 Gründungsmitglieder. Hans Miller, der
Vorstand von «Diana» wurde 1. Kassierer im Schützengau. Anlässlich der
Jahreshauptversammlung 1955 beschloss der Verein nach eingehender
Diskussion einstimmig die Anschaffung einer Vereinsfahne. Freunde und
Gönner des Vereins brachten die damals erforderlichen 1600 DM auf und
konnte bei der Kunststickerei Auer in München eine Fahne bestellt
werden. Als Termin für die Fahnenweihe wurde der 1. Juli 1956
festgelegt. Gleichzeitig wurde die Abhaltung eines Preisschießens
beschlossen, das in der Woche vor dem Fest stattfinden sollte. Das
Preisschießen wurde zum größten schießsportlichen Ereigniss in
Zusamaltheim. 172 Schützen traten in 7 Schießtagen an die Zugstände.
Die Preisverteilung des Festschießens fand im Ilg-Saal
statt. Ein Jahr nach der Fahnenweihe beteiligt sich «Diana» Zusamaltheim
im Rahmen des Sportschützengaues Wertingen am Oktoberfestumzug.
Sportlich gesehen waren die Jahre 1954 bis 1962 in Zusamaltheim die
große Zeit von Ernst Tauschek. Dieser Ausnahmeschütze beherrschte in
diesen Jahren die Meisterschaft im Verein souverän und konnte auch auf
Gau- und Bezirksebene hervorragende Ergebnisse erzielen. Im Jahre 1959
stellte Gründungsvorstand Hans Miller sein Amt zur Verfügung. Nach
langem Hin- und Her erklärte sich damals Georg Schwarzmann zur Übernahme
der Vorstandschaft für ein Jahr bereit. In die Saison 1959 fällt auch
die Gründung des Ludwig-von-Wirkau-Pokalschießen, das seither von den 4
Schützenvereinen der Pfarrgemeinde ausgetragen wird. Für die rege
schießsportliche Tätigkeit reichten die beiden Schießstände in der
Schankstube des Gasthauses Ilg bald nicht mehr aus. So beschloss die
Führung des Vereins, damals schon unter der Leitung von Hans Eberhardt,
sich eine neue Schießanlage mit Aufenthaltsraum im ehemaligen Braukeller
zu schaffen. Durch eine vorbildliche Gemeinschaftsleistung schufen sich
die Schützen von «Diana» in mehrmonatiger Arbeit danach eine
Schießstätte, wie sie damals im Gau noch nicht zu finden war.
1962 - 1966: Erfolgreiche
Jahre im neuen Schützenkeller
Zum Ludwig-von-Wirkau-Pokalschießen 1962 wurde dann das
neue Schießlokal eingeweiht. Dass dabei im 3. Anlauf der erste Sieg
gelang, rundete die Feier nur noch ab. Die neue Schießanlage belebte den
Schießsport in der Folgezeit erheblich, und auch die Schießleistungen
steigerten sich zusehends. In diesem Jahr bekam auch der Matador des
Vereins, Ernst Tauschek, erstmals Konkurrenz von einem jungen Schützen.
Konrad Bachmayr gewann seine erste Vereinsmeisterschaft und konnte in
den folgenden Jahren diesen Erfolg mehrmals wiederholen. Bei
Preisschießen im Gau und in der weiteren Umgebung holte er sich zahllose
Siege und verhalf damit dem Verein zu erheblichen Ansehen. Leider
konnten sich die «Diana»-Schützen nicht lange an ihrem neuen Schießstand
erfreuen, denn schon 1966 anlässlich der Generalversammlung musste
Vorstand Eberhard bekannt geben, dass der Schießraum nicht mehr zur
Verfügung stand. Das Gebäude am Zugang zum Schützenkeller entsprach
nicht mehr den Sicherheitsvorschriften. So saß der Verein nach nur
wenigen Jahren der Euphorie auf der Straße. Zu Beginn der Schießsaison
1968 konnte nach einjähriger Abstinenz wieder geschossen werden. Die
Vorstandschaft hatte sich mit der Familie Magg geeinigt und hatte an der
Stelle, an der schon der alte Verein 60 Jahre zu Hause gewesen war,
einen neuen Schießstand errichtet. Obwohl die Freude über die neue
Schießgelegenheit groß war, hatte der Verein dieses Jahr noch nicht
unbeschadet überstanden. Der sportliche Leistungsstand war
zurückgegangen und was noch schwerer wog, mehrere Schützen, vor allem
ältere Mitglieder, kehrten nicht mehr in die Reihen der Aktiven zurück.
Dazu kam noch, dass ein Jahr später Vorstand Eberhard die Wiederwahl
nicht mehr annahm. Sein Nachfolger, der bisherige Fahnenträger Georg
Egger, war um seine Aufgabe nicht zu beneiden.
1972 - das Sportheim wird nun
auch Heimat der Diana-Schützen
In dieser Zeit ging bei «Diana» ein neuer Stern auf.
Walter Zub konnte 1970 seine erste Vereinsmeisterschaft erringen und
wurde gleichzeitig Schützenkönig. Bereits 1971 errang er die
Gaumeisterschaft, die er ein Jahr später verteidigen konnte und dazu
noch Gauschützenkönig wurde. Diese Leistung ist in der Geschichte des
Schützengau Wertingen bisher einmalig. Von diesem Erfolg angespornt,
stieg auch das Leistungsniveau des Vereins wieder an. Nach mehrmaligen
Niederlagen konnte 1972 wieder der Ludwig-von-Wirkaupokal gewonnen
werden. Der Schießstand im Magg-Saal bot ideale Voraussetzungen. Was
jedoch zu Schwierigkeiten führte, war die Tatsache, dass der Saal
während der gesamten Faschingszeit, was ja die Hauptsaison des
Schützenjahrs ist, wegen Tanzveranstaltungen nicht zur Verfügung stand.
Besorgt wegen eines neuen Niederganges des Vereins, entschloss sich die
Generalversammlung 1972 in das neu errichtete Sportheim des VfL
Zusamaltheim umzuziehen. Die Trennung vom Gasthaus Magg erfolgte in
beiderseitigem Einvernehmen und die Vereinsleitung bedankte sich noch
einmal dafür, dass der Verein in schwieriger Lage hier untergekommen
war. Anläßlich derselben Generalversammlung legte Hermann Egger nach 12
Jahren das Amt als 2. Vorstand nieder. Im neuen Sportheim standen für
die Schützen ganzjährig ein Raum für 5 Zugstände zur Verfügung. Außerdem
kam der Zulauf, den das neue Sportheim von der Jugend der Gemeinde
hatte, auch dem Schützenverein zugute.
Während bis in die 60er Jahre die Unterhaltung und
gemütliches Beisammensein im Vordergrund des Vereinsleben stand, rückten
die Gesichtspunkte in den 70er Jahren, bedingt durch das Fernsehen und
den fahrbaren Untersatz für jedermann, stark in den Hintergrund. Dieser
Wandel im Vereinsverständnis wurde von der Vorstandschaft von «Diana»
rechtzeitig erkannt und so rückte die sportliche Seite des Vereinslebens
mit Vergleichsschießen und Preisschießen mehr in den Vordergrund. Dieser
Wandel im Vereinsleben wurde zwar von einigen Mitgliedern nicht
angenommen, hat sich aber im nachhinein als richtig erwiesen. Bedingt
durch die gute Trainingsmöglichkeit und die Förderung von jungen
Talenten, hatte der Verein bald einen Leistungsstand erreicht, bei dem
auch eine erfolgreiche Teilnahme am gau-internen Rundenwettkampf möglich
schien. Im Jahr 1975 beteiligte sich «Diana» Zusamaltheim erstmals an
diesem Wettbewerb. Schon die erste Runde konnte ungeschlagen beendet,
und damit der Aufstieg in die B-Klasse gesichert werden. Anläßlich der
Generalversammlung 1975 legte Georg Egger nach 6 Jahren sein Amt als 1.
Vorstand nieder. Zu den größten Verdiensten, die er sich in dieser Zeit
erworben hat, gehört die oben erwähnte Umstellung des Vereins sowie die
Gewinnung der Jugend für den Schießsport. Seine Nachfolge trat Christa
Walter an, der dem Verein seither vorsteht. Die Anzahl der Jungschützen
stieg damals so stark an, dass im Verein ein Jugendleiter bestellt und
für den Jugendkönig eine eigene Schützenkette angeschafft wurde.
Auch die 2. Saison im Rundenwettkampf konnte erfolgreich
abgeschlossen werden, so dass Zusamaltheim in 2 Jahren zur A-Klasse
durchmarschiert war. In dieser Klasse hat sich der Verein seither, mit
Ausnahme eines Jahres dazwischen in der B-Klasse, fest etabliert. Dazu
trug auch bei, dass Konrad Bihler, ein Ausnahmeschütze im Gau, durch
Zuzug nach Zusamaltheim kam und dem Verein beitrat. Dieser Schütze ist
in den letzten Jahren die bestimmte Figur, an deren Leistung sich alle
anderen orientieren. In sportlicher Hinsicht gehört Zusamaltheim heute
zu den stärksten Vereinen im Schützengau Wertingen. Im oberen Zusamtal,
das kann man ohne Übertreibung sagen, hat Zusamaltheim zur Zeit die
Spitzenposition inne.
2010 - ein Ehrenvorstand für
den Schützenverein
Im Dezember 2010 ist Walter
Christa von Verein und Gau für mehr als treue, langjährige
Vereinstätigkeit zum Ehrenvorstand ernannt worden.